Eine Schule ohne Noten und Zeugnisse

28. Mai 2026

Mit Schule ist dass ja so eine Sache. Ein Teil der Kinder geht richtig gerne hin, die anderen nicht. Eine Schule, die fast alle gerne besuchen, ist die Münchner Volkshochschule. Die Volkshochschule in Pasing bietet pro Halbjahr über 500 interessante Kurse an – Sprachkurse, Kochkurse, Computerkurse, Ausflüge, Vorträge und vieles mehr. Wir waren bei Stadtteilleiter Michael Widl-Stüber und haben uns alles zeigen lassen.

Ihr wolltet schon immer mal Arabisch oder Chinesisch sprechen können, Bauchtanz oder Kopfmassagen lernen, mit einer Aubergine auf Weltreise gehen oder euch auf einer Wanderung über die Spuren der Eiszeit informieren? Dann seid ihr bei der Volkshochschule (Vhs) an der Bäckerstraße 14 in Pasing richtig. Die Vhs bietet viele tolle Veranstaltungen für Erwachsene an, in der „Jungen Volkshochschule“ auch für Jugendliche und einige Eltern-Kind-Kurse. Wir haben die Einrichtung besucht und Stadtbereichsleiter Michael Widl-Stüber sowie die Auszubildenden Kiera Bello interviewt.

Das Gebäude an der Bäckerstraße war früher das Rathaus von Pasing mit Standesamt, Polizei, Feuerwehr und verschiedenen Ämtern. Heute kann man hier in elf Unterrichtsräumen interessante Kurse aus allen Bereichen belegen. Es gibt unter anderem eine eigene große Küche für bis zu 16 Teilnehmer, einen Sportraum, wo man zum Beispiel Yoga lernt (hier waren ganz früher Feuerwehrfahrzeuge untergebracht), ein Computerzimmer, einen Musikraum mit einem Klavier und einen Handwerksraum zum Beispiel mit Töpferscheiben und einem Brennofen, der auf bis zu 900 Grad erhitzt werden kann. Die meisten Teilnehmer besuchen die Kurse freiwillig, zum Beispiel weil sie ihre Computerkenntnisse oder ihr Wissen über ein bestimmtes Fachgebiet erweitern wollen. Es gibt keine Schulpflicht. Anders als in einer echten Schule gibt es hier auch keine Noten oder Zeugnisse. Man kann nicht durchfallen und muss keine Schulaufgaben schreiben. Die Kurse dauern oft auch nur 1,5 oder 2 Stunden am Stück und damit weniger lang als ein Schultag. Komplette Tageskurse gibt es meistens an den Wochenenden. „Da es eine Schule vor allem für Erwachsene ist, haben wir auch keinen Spielplatz im Pausenhof, da Erwachsene meistens nicht so gerne im Sand spielen“, sagt Michael schmunzelnd. Der Spaß am Lernen steht hier also am Vordergrund. Und den haben an der Volkshochschule sehr viele Menschen.

Kinder können hier mit ihren Eltern gemeinsam zum Beispiel einen Burger-Kurs belegen und es gab auch schon Veranstaltungen, wie man sinnvoll Medien nutzt. Das kennt ihr ja bestimmt auch, dass die Nutzung von Handy oder Computer bei Euch zu Hause ein Dauerthema sind? Hier bekam ihr entsprechende Tipps oder Hinweise dazu. „Am beliebtesten sind generell die Sprachkurse, vor allem die gängigen Sprachen wie Englisch oder Französisch. Insgesamt kann man bei uns rund 50 Sprachen lernen. Viele wollen auch Sport oder etwas anderes für ihre Gesundheit machen oder sich musisch betätigen, also Malen oder Gitarre lernen“, erklärt Mitarbeiterin Kiera. Rund drei Viertel der Teilnehmer sind Frauen, ein Viertel sind Männer. „Bei Kursen, die beruflich relevant sind, sind es oft mehr Männer. Genrell tun wir uns aber schwer, die Männer zu erreichen. Manche Kurse haben von Vornherein nicht so viele Plätze, bei manchen Geigenkursen haben wir zum Beispiel jeweils nur vier Plätze“, erklärt Michael. Denn wenn die Gruppe größer wäre, könnte man das Instrument ja gar nicht richtig üben. Menschen aus rund 100 verschiedenen Ländern besuchen die Vhs und tendenziell mehr ältere Menschen als jüngere. „Wir würden uns freuen, wenn noch mehr junge Besucherinnen kommen würden. Wir haben bei manchen leider immer noch ein langweiliges Image. Aber die Volkshochschule hat sehr viel zu bieten“, sagt Michael.

Sehr beliebt sind auch die Kurse im „Haus Buchenried“ am Starnberger See, wo es zum Beispiel Konzerte oder Sprachkurse gibt, meist mit Übernachtung am Starnberger See. Manche Kurse finden zum Beispiel auch im Wald statt, wo die Teilnehmer Vogelstimmen lauschen. Eine andere Gruppe beobachtet den Biber im Pasinger Stadtpark oder macht eine kunsthistorische Fahrt nach Augsburg. Auch wer Schokolade oder Pralinen selbst machen, nähen oder sticken lernen will oder mehr über den richtigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz wissen will, ist bei der Volkshochschule richtig. Einmal im Jahr gibt es einen großen Schwerpunkt mit vielen Kursen zu einem Thema, in diesem Jahr zum Beispiel zum Thema München.

Die meisten der rund 300 Dozenten, also quasi Lehrer, die an der Pasinger Vhs unterrichten, haben meistens nicht Lehramt studiert wie „richtige“ Lehrer. Viele bringen einfach viel Erfahrung und Spaß in dem jeweiligen Themengebiet mit. Bei zum Beispiel Gesundheitskursen brauchen sie aber ein richtiges Zertifikat, also eine Art Urkunde über ihre Eignung als Lehrer. „Für das Programm von Oktober bis Februar beginnen wir mit den Vorbereitungen meist schon im Januar, also praktisch ein ganzes Jahr vorher“, erklärt Mitarbeiterin Kiera. Die verschiedenen Standorte der Münchner Volkshochschule sprechen sich dann noch ab, damit nicht alle am gleichen Tag die gleichen Kurse anbieten. Direkte Vorgaben zum Beispiel von der Stadt abgesehen vom allgemeinen Bildungsauftrag gibt es für das Programm eigentlich nicht. „Vieles regelt auch die Nachfrage“, sagt Michael. Mehr als 60 Prozent der Kosten werden über die Kursgebühren finanziert, der Rest aus Steuermitteln der Stadt München. Wenn ihr euch zu einem Kurs anmelden wollt, könnt ihr dass online machen, was viel einfacher als früher geht. „Als es noch keine Computer und Internet gab, hatten wir an den Anmeldetagen riesige Schlangen vor dem Gebäude und man musste manchmal mehrere Stunden warten“, erinnert sich Michael. Das geht heute viel einfacher.

Habt ihr also auch Lust bekommen, mal zusammen mit euren Eltern einen Kurs in der Volkshochschule zu machen? Dann schaut doch auf der Homepage das Programm durch. Auch für Euch ist bestimmt etwas Interessantes dabei. Und so ein Kurs bei der Vhs lohnt sich wirklich!