Auf dem ersten Blick ist es nur ein Baum. Doch in Wirklichkeit sind viele Bäume sehr wichtige Lebensräume für sehr viele Tiere – Insekten, Mäuse, Vögel und manchmal sogar Fledermäuse. Wir haben bei einer Führung im Pasinger Magdalenenpark rund um Bäume mitgemacht und dabei viel Interessantes erfahren – von selbst nachwachsenden Rinden bis zu stammeigenen Softdrinks.
Ihr kennt doch sicher den Pasinger Magdalenenpark, oder? Der ehemalige Klostergarten bei der Würm an der Institutstraße wird seit 2024 vom Bund Naturschutz betrieben. Im Rahmen des „Tag der Natur“ führte Dorit Zimmermann, Leiterin des Arbeitskreises Baumschutz beim Bund, jetzt durch den Park. Die Führung drehte sich um das Thema Bäume als Lebensräume („Habitate“).
„Wir wünschen uns viel von Bäumen – dass sie Schatten spenden und kühlen, CO2 aufnehmen, schön aussehen, nicht viel Arbeit machen“, erklärte Dorit Zimmermann zu Beginn. Es ist aber auch wichtig, die Bäume aus Sicht der Tiere zu sehen. „Je älter ein Baum ist, desto wertvoller ist er als Lebensraum für Tiere“, erklärte sie. Generell leben in den zwei Hektar des Klostergartens sehr viele Tiere: Insekten wie Wildbienen, Hornissen, Wespen und Falter, 51 Vogelarten, Siebenschläfer, Mäuse, Maulwürfe, Igel, Enten, Fische, Fledermäuse, Füchse und auch ein Biber. „Diese verschiedenen Tiere brauchen alle etwas anderes: Manche ein Loch im Boden, andere ein Baumloch“, so Frau Zimmermann. Besonders wichtig seien für viele Tiere die von Spechten gehämmerten Baumhöhlen. „Ein Specht will nicht unnötig viel Arbeit haben, deshalb probiert er zunächst aus, ob ein Baum sehr holzig ist, also ob er auf Widerstand stößt.“ Wenn er merkt, er kommt mit dem Schnabel rein, baut er eine Höhle. „Nachdem ein Specht gebrütet hat, zieht er gerne weiter zu einem anderen Baum. Danach kommen andere Nutzer, die sich freuen, wenn sie quasi eine vorbereitete Wohnung haben.“ Schlafmäuse, Meisen und andere Vögel wie Kleiber, Haselmäuse und Baummarder bewohnen nach und nach die Spechtbauten, die so oft jahrzehntelang genutzt und von den Tieren verändert werden.
Efeu schützt Bäume vor Frost und Sonnenbrand
Dorit Zimmermann zeigte uns dann einen Birnbaum, der einen dicken Efeu am Stamm hat. „Efeu ist für einen Baum nicht schlecht, weil er sie gegen Frost und Sonnenbrand schützt“, erklärte sie uns. Gerade Buchen sind sonst zum Beispiel sehr empfindlich gegen Sonne. In dem Efeu leben außerdem Ameisen, alle möglichen Käfer und Vögel, die hier auch nisten. Vögel nutzen den Efeu zudem oft als Futter, vor allem wenn noch nichts anderes blüht. Schwierig wird es nur, wenn der Efeu nach oben in die Krone wächst, da das Gewicht dann zu schwer werden kann und er dem Baum auch Licht wegnimmt.


Dorit Zimmermann zeigte uns auch einen anderen Birnbaum, der eigentlich schon abgestorben ist, aber trotzdem vom Bund Naturschutz befestigt wurde, damit er stehen bleiben kann. „Ein toter Baum ist ganz wertvoll für Insekten. Käfer überleben viele Jahre im Holz, an dem Mehl im Stamm kann man sehen, dass Larven in ihm drin sind.“ Durch die abplatzende Rinde entsteht eine sogenannte „Rindentasche“, also eine Art Beutel zwischen Stamm und abgehender Rinde (siehe Foto). „Auch hier ziehen alle möglichen Tiere ein, sogar kleine Fledermäuse“, erklärte Dorit Zimmermann. Auf sterbenden Bäumen bilden sich auch oft sogenannte Aufsitzer-Pflanzen, auf denen Schnecken und Insekten leben, aber auch Eidechsen die sich sonnen und Schutz suchen. Außerdem Igel, Mäuse und Bienen. „Kürzlich haben wir einen Laubfrosch gesehen, die bis zu 30 Meter hoch in die Krone klettern können, dort Nahrung suchen und sich in den Schatten setzen. Mitunter teilen sie sich den Lebensraum mit Vögeln, die dort nisten“, berichtete sie.
Manchmal sind nicht die Tage, aber die Jahrzehnte des Baums gezählt
Wenn ein Baum beschädigt wird, weil zum Beispiel ein Auto ihn anfährt oder Äste abgesägt werden, entsteht oft eine Wunde an ihm. „Ein Baum ist aber ein Lebewesen wie wir und versucht eine automatische Wundheilung ähnlich wie unser Körper“, erklärte Dorit Zimmermann. Der Baum versucht also quasi das Loch überwachsen zu lassen. In jeder Baumverletzung dringen ab sofort Pilze ein, die versuchen, das Holz abzubauen. Sind zu viele Pilze in dem Baum „sind nicht seine Tage gezählt, aber seine Jahrzehnte“, sagt Dorit Zimmermann. Auch Ameisen bauen Holz ab.
Bäume sind leider auch sonst aus mehreren Gründen gefährdet: Will jemand bauen und gehört ihm das Grundstück, steht Baurecht über Baumschutz und Bäume können gefällt werden. „Auch wenn wir Menschen nichts gegen den Klimawandel tun, werden wir reihenweise Bäume verlieren. Die nächsten werden die Eschen sein“, sagte Dorit Zimmermann.
Spechten fressen tausende Larven aus einem Baumstamm – am Tag
Zum Schluss gingen wir noch in den hinteren Teil des Parks, der normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist. Naja, okay, unser Reporter Pelle, ist früher, als er noch jung und frech war, ein paar Mal durch ein Zaunloch in den Teil geklettert :-) Hier sahen wir unter anderem einen stehen gebliebenen Baumstumpf. „Insekten können in den Baumstumpf rein bohren und Eier dort reinlegen. Larven ernähren sich von dem Holz, dass sehr nährreich ist. Spechte lieben wiederum die proteinreichen Larven“, erzählte Dorit Zimmermann. Die Spechte hören die Fressgeräusche von Larven oder auch Ameisen. Mit ihrer langen klebrigen Zunge fischen sie die Larven aus dem Baumstampf raus und ziehen so bis zu tausende Larven am Tag aus einem Baumstumpf. Guten Appetit!
Ein Leckerbissen ist für viele Tiere auch der sogenannte Baumsaft. Der Saft tritt im Frühjahr aus Löchern aus, die zum Beispiel auch hier Spechte bohren. Das kennt ihr vielleicht von Zimmerpflanzen, aus denen auch ein Saft rauskommt, wenn ihr etwas von ihnen abschneidet. „Dieser sehr zuckerhaltige Saft ist sehr wertvoll für viele Tiere. Durch ihn werden zum Beispiel Hirschkäfer-Männchen erst zeugungsfähig. Auch Eichhörnchen und Marder gehen an den Saft. Für sie ist er ähnlich wie Softdrinks für uns Menschen, nach denen wir uns oft auch besser fühlen“, erklärte Dorrit Zimmermann.
Wir fanden die Führung sehr interessant und fanden es richtig beeindruckend, wie wichtig Bäume für Tiere sind und wie viele um sie herum leben. Wenn ihr Fragen rund um Bäume habt, könnt ihr Euch jederzeit an den Bund Naturschutz wenden. Der Pasinger Magdalenenpark hat immer samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.