Im Bücherschloss Blutenburg

21. Mai 2026

Im Schloss Blutenburg hat eine besondere Büchersammlung ihr Zuhause: Die Internationale Jugendbibliothek. Hier gibt es nicht nur Bücher aus sehr vielen Ländern, sondern auch ein Buch aus dem Jahre 1550. Außerdem einen großen Keller mit einer Sammlung von über 750.000 Büchern, verschiedene Ausstellungen zum Beispiel zu Robotern und vieles mehr. Wir wurden von Verena Wössner durch die Bücherei geführt.

Wenn Ihr gerne Bücher lesen wollt, aber Euer Taschengeld schon wieder alle ist, gibt es neben den Münchner Stadtbibliotheken noch etwas ganz Besonderes für Euch: Die internationale Jugendbibliothek im Schloß Blutenburg. Hier gibt es sehr viele Bücher nicht nur aus Deutschland und auf Deutsch, sondern aus der ganzen Welt. „In unserem Team gibt es jeweils einen Kollegen oder eine Kollegin, die zum Beispiel den spanischen Kinderbuchmarkt beobachtet, den portugiesischen, den arabischen, die Entwicklung in Afrika und Asien, die Neuheiten im englisch- und französischsprachigen Raum und so weiter“, erklärt Verena Wössner. Gibt es in den jeweiligen Ländern interessante neue Bücher, fragen die Mitarbeiter bei den jeweiligen Verlagen, ob sie der Bibliothek zwei Exemplare spenden. „Denn wir haben nur ein kleines Budget zum Einkaufen neuer Exemplare. Der Großteil des Bestands wird aus Spenden aufgebaut“, erklärt Verena Wössner. Die Verlage spenden die Bücher zum Beispiel, weil Sie wollen, dass Ihre Sachen in der Bibliothek langfristig aufgehoben werden. Denn die Bücherei dient ja auch zu Forschungszwecken und ist ein Gedächtnisort für Bücher von überall.

Im Erdgeschoss gibt es „nur“ einige tausende Bücher aus der ganzen Welt. Aber auch hier wartet schon vieles zum Entdecken auf Euch: Ein Comic auf Chinesisch, Gute-Nacht-Geschichten aus Tschechien sowie ein Bilderbuch aus Afrika zum Beispiel. Zu den Öffnungszeiten könnt ihr mit einem Ausweis so wie in den Stadtbibliotheken Sachen ausleihen. „Am meisten werden Bücher in den gängigen Sprachen wie Englisch und Französisch mitgenommen. Auch chinesische Werke werden viel ausgeliehen, da wir offensichtlich bei den hier lebenden Chinesen bekannt und beliebt sind. Arabische Bücher haben in den letzten Jahren ebenfalls zugenommen. Bücher in anderen Sprachen sind deutlich weniger nachgefragt, obwohl wir versuchen, auch dafür Interesse zu wecken“, sagt Verena Wössner. In manchen Kulturen wie zum Beispiel dem persischen Raum ist offensichtlich das Erzählen von Geschichten noch weiterverbreitet als das Lesen. Manchmal kommen auch Erwachsene in die Bücherei und fragen nach einem Buch, dass sie in ihrer Kindheit geliebt haben, 1975 erschienen ist und einen gelben Elefanten auf dem Titelbild hatte. Die Bibliothekare versuchen dann nach Möglichkeit herauszufinden, um welches Buch es geht.

Der noch viel tollere Schatz lagert aber im Keller, direkt unter dem unteren Schlosshof: Im sogenannten Magazin sind rund 750.000 Büchern aus den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten in großen Drehregalen. Die Bücher können zum Anschauen im Lesesaal vom Schloss Blutenburg oder per Fernleihe in die Lesesäle von anderen Bibliotheken bestellt werden. Nach Haus mitnehmen darf man sie aber nicht. Manche bestellen die Bücher auch für wissenschaftliche Arbeiten. In den Magazin-Raum dürfen die Leserinnen und Leser normalerweise nicht. Wir Reporter durften aber ausnahmsweise rein.

Das älteste Buch aus dem Bestand der Bücherei stammt aus dem Jahre 1550. Es heißt „Christliche, einfältige und zu diesem Zeitpunkt sehr notwendige Ermahnung an die Jugend, der angezeigt wird, was Kinder schuldig daran sind, für ihre Eltern zu tun“. Schon damals haben also die Eltern also über die Kinder und Jugendlichen ihrer Zeit geschimpft ;-) „Das Buch wird in einem Teil des Schlosses aufbewahrt, in dem ebenfalls nicht jeder reindarf. Das alte Buch kann nicht irgendwo aufbewahrt werden, denn der Raum für ein so altes Buch darf nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein, nicht zu heiß, nicht zu kalt und so weiter sein, damit es gut erhalten bleibt“, erklärt Verena Wössner. Die Bibliothek hatte das Buch vor Jahren von einem Sammler gespendet bekommen.

Die Jugendbibliothek wurde am 14. September 1949 damals noch in einer Villa in der Münchner Innenstadt eröffnet. Die jüdische Kinderbuchautorin und Journalistin Jella Lepman war 1945 aus England zurückgekehrt, wohin sie während der Nazi-Zeit geflüchtet war. Durch den schrecklichen Zweiten Weltkrieg waren viele Kinder sehr verstört und verängstigt. Jella Lepman wollte ihnen helfen, wieder glücklicher zu werden und sammelte daher bei internationalen Verlagen Buchspenden. Innerhalb kürzester Zeit kamen 40.000 Bücher aus 14 Ländern zusammen, die zunächst in einer Ausstellung im Haus der Kunst gezeigt wurden. Bald entstand daraus die Idee, die Sammlung als Grundlage für eine dauerhafte Kinder- und Jugendbibliothek zu verwenden. Bei der Eröffnung umfasste der Bestand dann rund 8000 Bücher. Dazu kamen Veranstaltungen: In Debattierclubs wurde über Neuerscheinungen diskutiert. Der bekannte Kinderbuchautor Erich Kästner („Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“,„Das doppelte Lottchen“) leitete zum Beispiel eine Jugendtheatergruppe. Auch heute macht die Bücherei regelmäßig Veranstaltungen: Zum 100. Geburtstag des Autors James Krüss („Timm Thaler“) gibt es zum Beispiel am Sonntag, 31. Mai, ein großes Familienfest mit Bühnenprogramm, Musik, Lesungen und Mitmachaktionen. Noch bis September bzw. Oktober können die Ausstellungen „Am großen Strom“ über Flüsse und „Crazy Machines“ über Roboter und Maschinen in Kinderbüchern besichtigt werden (Pasing Kreuz &Quer berichtete bereits).

Frau Wössner hat uns alles sehr gut erklärt. Wir fanden die Bibliothek und die anderen Sachen wirklich sehr interessant. Vielleicht lernen wir ja auch mal Japanisch oder Arabisch, um die interessanten internationalen Bücher lesen zu können :-) Vom Pasinger Bahnhof gibt es einen schönen Weg zu der Bücherei. Ihr geht einfach an der Würm entlang und seid nach ungefähr 20 Minuten da – oder ihr nehmt die Buslinien 56 oder 160. Ein Besuch lohnt sich. Denn die Blutenburg ist wirklich ein besonderer Ort.

Schüler:innen der 3 ?, Oselschule

Internationale Jugendbibliothek Schloss Blutenburg

Seldweg 15, 81247 München

Buslinien 56, 160, Haltestelle „Blutenburg“

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.

Wesbtie: www.ijb.de

https://www.ijb.de/home