Hugendubel: Von Mangas bis BookTok

19. Juni 2026

Wir lesen richtig gerne und gehen daher regelmäßig zu der Hugendubel-Filiale in den Pasing Arcaden. Hier gibt es auf 600 Quadratmetern rund 12.000 Bücher. Rund ein Drittel der Fläche ist für Kinder- und Jugendbücher reserviert – bei denen es zu Zeit mehrere wichtige Trends gibt.

Neun Filialen hat die Buchhandlung Hugendubel in München, eine davon seit 2011 in den Pasing Arcaden. 18 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, kümmern sich hier um Euch und eure Wünsche. Bereits seit 41 Jahren ist Filialleiterin Sabine Hickethier bei Hugendubel, die uns gemeinsam mit Mitarbeiterin Yasmina ein Interview gegeben und die Filiale gezeigt hat. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich wie generell im Buchhandel viel geändert. Hugendubel hat heute deutlich mehr Nicht-Bücher im Sortiment, also zum Beispiel Postkarten, Stifte, Spiele, Puzzles und Dekorationssachen. Reiseführer gehen wesentlich schlechter als früher, was wohl daran liegt, dass man ja im Internet viele Informationen über andere Länder abrufen kann. Die beliebtesten Genres, also Rubriken, sind nach wie vor Romane und Krimis. „Sehr klar merken wir BookTok. Wenn Bücher auf TikTok empfohlen werden, kommen immer Kunden, die danach fragen“, berichtet Sabine Hickethier. Sehr beliebt sind zu Zeit auch die Produkte der Firma Legami, von der ihr wahrscheinlich ja auch ein Stift, eine Tasche oder etwas anderes besitzt? „E-Books haben sich hingegen bei nur ungefähr fünf Prozent Marktanteil eingependelt und werden auch nicht mehr stark zunehmen.“

Insgesamt sind die Umsätze deutlich zurück gegangen. „Wenn wir den Online-Shop nicht hätten, gebe es Hugendubel vielleicht überhaupt nicht mehr“, sagt Sabine Hickethier. Dass ist ein deutschlandweiter Trend bei fast allen Buchhandlungen und liegt wohl an den großen Online-Shops wie Amazon und der Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix.

Im Kinder- und Jugendbereich sind zum einen die beliebten Serien wie Gregs Tagebuch, Die Schule der magischen Tiere sowie die drei Ausrufe- und Fragezeichen nach wie vor beliebt, wenn auch nicht mehr ganz so wie früher. Auch die Bücher rund um den Tiptoi-Stift und Harry Potter sind nach wie vor ein Thema. „Sehr beliebt sind inzwischen vor allem Mangas, von denen wir daher eine große Auswahl da haben. Immer wieder beobachte ich Kinder oder Jugendliche, die sich einen großen Stapel Mangas auf einmal kaufen“, erzählt Sabine Hickethier schmunzelnd. Sie empfiehlt derzeit Kindern unter anderem den Fantasywerk „Flora Brimble und der verlorene Frühling“ von Marcus Raffel, den Zeitreiseroman „Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit“ von Marc Rosenberg, das Abenteuer „Die Jagd nach den magischen Münzen“ von Jessie Burton sowie das Weltraumbuch „Erde 13 – Aufbruch ins Ungewisse“ von Andreas Langer. Generell lesen Kinder heute trotz Smartphones und Internet schon noch viele Bücher. Die meisten Kinderbücher werden aber von den Eltern gekauft, vor allem Sach- und Schulbücher.

Einen guten Teil des Sortiments bekommt die Pasinger Filiale von ihrer Zentrale vorgegeben, den anderen Teil dürfen die Mitarbeiter vor Ort selbst bestimmen. Die Auswahl richtet sich zum einen nach Beliebtheit und Verkaufszahlen. Das Team plant aber ganz bewusst so, dass auch Bücher im Sortiment sind, die weniger Umsatz machen, zum Beispiel Gedichtbände und klassische Literatur, auch für Kinder. Wenn ihr ein Buch bestellt, kommen die meisten Bestellungen gleich am nächsten Morgen zwischen 8 und 8.30 Uhr in der Filiale an. Mindestens ein Buchhändler ist dann schon vor Ort und bearbeitet die Lieferung. Abgesehen von Teilen des Sortiments macht die Zentrale dem Pasinger Team relativ wenige Vorschriften. Es gibt zum Beispiel keinen Mindestumsatz, den die Filiale erreichen muss. „Wir haben aber im Eingangsbereich Sensoren, die messen, wie viele Kunden am Tag unsere Fläche betreten. Wir achten dann schon anhand der Kassenzettel darauf, wie viele davon nur geschaut und wie viele auch was gekauft haben.“ Denn wenn ganz viele Kunden kommen, aber fast niemand etwas kaufen würde, hätte Hugendubel ja etwas falsch gemacht.

Jeden Tag acht Stunden von Büchern umgeben sein, Kunden seine Lieblingsbücher weiterempfehlen – das klingt nach einem echten Traumjob, nicht wahr? Wenn ihr mal bei Hugendubel arbeiten wollt, macht ihr am besten vorher eine Ausbildung zum Buchhändler, was die meisten Mitarbeiter dort sind. Ihr lernt dann sowohl in einer Filiale von Hugendubel als auch in einer Berufsschule. Auch Schülerpraktika könnt ihr in der Filiale machen, wo ihr dann ein oder zwei Wochen lang einen Einblick in die Abläufe des Geschäfts bekommt. Unser Reporter Pelle war zufälligerweise gerade auf der Suche nach einem Schülerpraktikum, als wir das Interview gemacht haben. Leider war für den Zeitraum, wo er das Praktikum machen muss, schon ein anderer Praktikant eingeplant.

Nach dem Interview haben Frau Hickethier und Yasmina uns noch die Räume hinter den Kulissen gezeigt, wo man als normaler Kunde nicht hinkommt. Hinter einer großen Glastür gibt es zum Beispiel einen kleinen Lagerraum, wo nicht Bücher, aber unter anderem Transportkisten und Dekomaterial gelagert werden. In einem weiteren Gang sind Büros, in denen die Mitarbeiter alles rund um die Buchhandlung planen, sowie eine kleine Küche (siehe Fotos). Wir haben uns dann noch eine Weile in der Filiale umgeschaut und gleich richtig viele Bücher gefunden, die wir gerne lesen würden. Kommt doch also auch mal hier vorbei!