James-Krüss-Turm wieder eröffnet

12. Juni 2026

Am 31. Mai wäre der bekannte Kinderbuchautor James Krüss 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat die internationale Jugendbibliothek des Schloss Blutenburg ihren „James Krüss-Turm“ wieder eröffnet. In einer komplett überarbeiteten Dauerausstellung könnt ihr dort viel Interessantes über sein Leben erfahren. Wir waren bei der großen Eröffnungsfeier mit vielen Aktionen und Vorführungen dabei.

James Krüss wurde 1926 auf der Insel Helgoland in der Nordsee geboren. Später lebte er unter anderem in München und auf Gran Canaria. Wahrscheinlich kennt ihr das bekannteste Buch von ihm, „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“. Der Roman rund um den Waisenjungen Timm, der zu Geld kommen will, dann aber merkt, dass Geld alleine nicht glücklich macht, wurde ja auch mehrmals verfilmt, unter anderem mit Tommi Ohrner. Die internationale Jugendbibliothek verwahrt im Schloss Blutenburg den literarischen Nachlass von Krüss auf. Bereits seit 2001 gab es in einem Turm eine Dauerausstellung rund um Leben und Wirken des Autors, die jetzt nach 25 Jahren generalüberholt wurde.

In dem Turm sind mehrere Vitrinen und anderen Stationen aufgebaut, an denen ihr alles rund um die Kindheit und Jugend von James Krüss, sein Leben in der Nazizeit, seine Arbeit als Schriftsteller und sein Leben auf Gran Canaria erfahrt. Zu Beginn bekommt ihr einen tiptoi-ähnlichen Stift und Kopfhörer, mit denen Ihr an jeder Station kleine Hörspiele mit Erzählungen und Originaltönen, zum Beispiel aus Interviews, rund um den Autor anhören könnt. Es gibt einen Audioguide für Erwachsene und einen eigenen für Kinder. Über die Wendeltreppe steigt ihr dann den Turm rauf und könnt Fotos, Bilder, Bücher und andere Requisiten anschauen und dazu die kleinen Hörspiele anhören (siehe Fotos). Da der Turm nicht sehr groß ist, können aber immer nur maximal acht Besucher gleichzeitig die Ausstellung anschauen.

Der Turm wurde jetzt mit einem großen Familienfest wieder eröffnet. Die bekannte KiKA-Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva („Die Sendung mit der Maus“, „Wissen mit Ah“) moderierte ein abwechslungsreiches Programm, dass wegen Regens zum Teil nach innen verlegt wurde. Hauke Krüss, der Neffe von James Krüss, war extra von Helgoland nach München gekommen. Clarissa rief auf der Bühne auch auf der Insel an, wo zwei Kinder von der dortigen Geburtstagsveranstaltung mit Hüpfburgen und Aufführungen berichteten. Schüler der Gilchinger James Krüss-Grundschule trugen Gedichte des Schriftstellers vor, zum Beispiel „Wie wohnen die Kinder der Erde?“.

Im Schloss Blutenburg konnte alle Kinder und ihre Familien zum einen Helgoland nachbauen, zum Beispiel das bekannte Wahrzeichen der Insel, den Buntsandstein „Lange Anna“, Klippen, Hummerbuden und dem Leuchtturm Hegolands. Der Münchner Sänger und Live-Loop-Artist Kilian Unger vertonte gemeinsam mit den Kindern Krüss-Gedichte als Raps und andere Musikstücke. In der Bibliothek selbst erzählte ein Kamishbai-Theater Geschichten des Autors nach, zum Beispiel seine Version der Bremer Stadtmusikanten. Diese fahren in seiner Erzählung in einer Straßenbahn durch die Stadt, treffen sich dort und landen schließlich nicht wie im Originalmärchen in einem Haus mit Räubern, sondern in einem Wirtshaus voller Kinder. Kamishbai-Theater sind ja die traditionellen Erzähltheater, die aus einem kleinen, aufklappbaren Holzrahmen bestehen, in denen die Erzähler einzelne Bildkarten einschieben.

Die Autorin Paula Peretti, die die erste Krüss-Biographie für Kinder geschrieben hat, erzählte gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Leben des Schriftstellers. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Krüss sich bereits mit fünf Jahren seine ersten Gedichte ausgedacht hat und zunächst Lehrer war, bis er merkte, dass der Beruf nichts für ihn ist? Oder dass er dann zunächst ein Zimmer in Lochham hatte, wovon er dann regelmäßig mangels Alternativen zehn Kilometer zu Fuß bis zu der Redaktion der Süddeutschen Zeitung lief, um dort seine Gedichte und Texte abzugeben? Oder dass er auf Gran Canaria regelmäßig ein kleines Mädchen zur Schule brachte, um ihr zu helfen? Die heute erwachsene Frau war auch bei dem Fest dabei.

Zum Abschluss des Nachmittags lud Georg Cadeggianini, der sonst bei der Süddeutschen Zeitung die Kinderseite macht, das Publikum zu einer Witzestunde auf der großen Bühne ein. Die Kinder durften auf der Bühne gegenseitig zum Witze-Duell antreten. Das Publikum entschied per Applaus, welche Witze die Besten waren (Zum Beispiel „Was isst eine Kuh zum Frühstück? Muhsli“oder „Was macht die Polizei mit einer Schere? Den Dieben den Weg abschneiden.“). Die Kinder konnten außerdem aus Bildern Schimpfwörter erraten.

Während des gesamten Festes gab es einen Weltrekordversuch: Alle Teilnehmer sollten gemeinsam das längste Hundegedicht der Welt kreieren – „wobei es gar nicht so viele Hundegedichteketten gibt, weswegen ein Rekordversuch nicht so schwierig wird“, so Clarissa. Während des Nachmittags entstanden dann über 70 Gedichte, die zusammen über 25,5 Meter lang waren – Weltrekord!

Der James-Krüss-Turm hat Montags bis Freitags von 10 bis 16 Uhr sowie Samstags und Sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet (an Feiertagen geschlossen). Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene vier Euro (ermäßigt drei Euro), mit dem Ticket können auch andere Ausstellungen der Blutenburg wie das Michael-Ende-Museum besichtigt werden. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben Eintritt frei. Anfahrt mit dem Auto, Fahrrad oder den Bussen 56, 143 und 160, Haltestelle Blutenburg.